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04/11/2013, 11:32
neuer-weltrekord-im-aeltesten-schachklub-der-weltAm Sonntag, den 03.11.2013 war ich auf Einladung der Schachgesellschaft Zürich, dem mit Abstand ältesten Schachklub der Welt, als Blindsimultanspieler zu...
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01/11/2013, 11:09
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01/11/2013, 11:07
Zunächst einmal wünsche ich Euch allen einen guten Morgen. Jaja, ich weiß schon, es ist bereits halb 11 und somit streng genommen höchstens noch ein...
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Über Marc Lang

 


Alter: 43 Jahre
Beruf: Selbstständiger Webdesigner
Familienstand: Verheiratet, 2 Kinder
Wohnort: Günzburg
Verein: SK Sontheim/Brenz
Schach-Titel: FIDE-Meister
Aktuelle ELO-Zahl: 2306, das entspricht etwa dem Weltranglistenplatz 5.000


Das Schachspiel erlernte ich im Alter von ca. 7 Jahren von meinem Vater. An die erste Partie habe ich noch ganz verschwommene Erinnerungen und meine, Daddy hätte meinen unternehmungslustigen König (ich zog damals sehr gerne damit, weil er so groß und eindrucksvoll aussah) mitten auf dem Brett mit einer Bauernarmada matt gesetzt. Mein erstes Schachbrett war eines jener Pappbretter aus den Spielesammlungen, die aus unerfindlichen Gründen immer gelbe und grüne Felder haben mussten statt der sonst üblichen schwarz-weiß-Scheckung. Immerhin waren die Figuren aus Holz, was wiederum unseren Hund sehr freute, denn auf ihnen konnte man wunderbar herumkauen. Irgendwann sahen die Steine so bemitleidenswert aus, dass mir meine Eltern ein riesiges neues Schachspiel schenkten, mit mächtigen, handgeschnitzten Figuren, die auch richtig wie Türme, Pferde oder Könige aussahen. Leider konnte ich mit solchen Figuren noch nie etwas anfangen; auch heute noch bevorzuge ich die eher puristischen, abstrakten Turnierfiguren. Trotzdem erfüllte das Geschenk seinen Zweck: Ich konnte die großen Figuren unserem Hund vorwerfen und schützte damit mein altes Spiel vor weiterem Verbiss.

Mein erstes Schachbuch verdankte ich unter dem Strich wohl niemand anderem als Erich Honecker. Als meine Eltern so um 1979 herum Verwandte in der DDR besuchten, musste jeder Westbürger pro Besuchstag und Nase 25 D-Mark in 25 Ost-Mark umtauschen. Angesichts dessen, was man in der DDR so kaufen konnte, ein ziemlich schlechter Tausch, denn es gab praktisch nichts, womit sich etwas anfangen ließ. In seiner Verzweiflung nahm mich mein Vater schließlich in einen Buchladen mit und kaufte ein ziemlich mächtiges, zig-bändiges Werk über sozialistische Erdbeerenzucht (oder so ähnlich) und von dem restlichen Geld ein Schachbuch für mich. Es hieß "ABC des Schachspiels" und hatte einen orange umrandeten, weißen Einband mit einem ebenso orangefarbenen Springer in der Mitte. Ich war unheimlich stolz darauf, denn mit einem eigenen Schachbuch konnte man sich, nach meinem damaligen Verständnis, zu den absolut fortgeschrittenen Könnern zählen!

Bis zum ersten Besuch in einem Schachklub dauerte es freilich noch ein paar Jahre. Zwar umkreiste ich sehr häufig einen kleinen Aushang in einem öffentlichen Schaukasten, auf dem für einen Besuch im örtlichen Schachverein geworben wurde (so ganz nebenbei bemerkt wird die Werbewirksamkeit solcher Aushänge oft unterschätzt - genau damit erreicht man Kinder wohl am besten), aber trotz meines Aufstiegs in die "Schachbuchbesitzerliga" hielt ich mich immer noch für viel zu schlecht, um mit den Meistern im Schachklub mithalten zu können. Erst mit 12 Jahren traute ich mich schließlich doch und stellte bald fest, dass die vermeintlichen Meister auch nur mit Wasser kochten :-).

Die Neigung zum Blindschach entwickelte sich eigentlich eher zufällig bzw. aus einem Charakterzug heraus, der mich zeitlebens schon verfolgt: der Trägheit :-). Zu meinem 12. oder 13. Geburtstag hatte ich von meinen Eltern einen Schachcomputer geschenkt bekommen. Einen "Chess Champion MK II", das war ein DIN A5 großer Plastikkasten mit ein paar orangefarbenen Tasten, über die man seine Züge eingab und einem kleinen Display, das die Antworten der Maschine verkündete. Laut Verpackung soll das kleine Wunderwerk einmal gegen den damaligen Weltmeister Anatoly Karpow remis gespielt haben, aber das erscheint rückblickend sehr unwahrscheinlich, denn dazu spielte der Computer einfach viel zu schlecht.
Wie auch immer, jedenfalls war ich oft viel zu faul, eigens ein Brett aufzubauen, um gegen ihn zu spielen, weshalb ich es immer häufiger einfach wegließ - schließlich kommunizierte man ohnehin nur über die Zugeingabetasten mit dem Gerät und eine Partie blind gegen es zu spielen fiel mir nicht schwer, zumal es ohnehin immer auf die gleichen Fallen hereinfiel. Für die Schachspieler unter den Lesern sei beispielsweise erwähnt, dass man auf allen Stufen außer der höchsten mit 1.e4 e5 2.Lc4 d5(??) 3.Lb3 dxe4 4.Dh5 Sf6?? 5.Dxf7 bereits nach 5 Zügen mattsetzen konnte, so dass es keiner besonders hohen Blindspielfertigkeiten bedurfte, um zu gewinnen.

Den ersten Kontakt zum Blindsimultan, also zum gleichzeitigen Spielen mehrerer Blindpartien hatte ich vor ca. 15 Jahren in einem Café in der Calwer Passage, nahe der Stuttgarter S-Bahn-Haltestelle Stadtmitte. Dort traf ich mich gerne mit einem Freund und Vereinskameraden, um gemeinsam ein wenig Schach zu spielen oder die neuesten Eröffnungsvarianten zu analysieren. Wir verbrachten viele Wochenenden dort, meist ganz weltvergessen über unsere Züge grübelnd - und meist auch ohne großartig etwas zu trinken. Das wiederum brachte - verständlicherweise - irgendwann den Betreiber gegen uns auf. Er schickte einen Kellner vor, der uns das Schachspielen kurzerhand verbot. Bitter, denn die Atmosphäre in dem Café hatten wir immer als sehr angenehm und inspirierend empfunden, weshalb wir nur sehr ungern woanders hingehen wollten. Aber was sollten wir nun tun?

"Spielen wir eben blind", schlug schließlich einer von uns vor. Gesagt, getan - flugs "bauten" wir ein virtuelles Brett auf und begannen, uns mittels der Koordinaten unsere Züge zu sagen. Das lief wunderbar und ohne Erinnerungsprobleme, so dass es bald schon zu langweilig wurde - warum aber nicht einfach an mehreren Brettern gegeneinander spielen? Gleichzeitig? An 2 Brettern? Ach nein, warum nicht gleich an...10? Und so nahmen wir beide fünfmal die weißen, fünfmal die schwarzen Steine und warfen uns gegenseitig für die nächsten rund 10 Stunden Ausdrücke an den Kopf, die für Nicht-Schachspieler zumindest sehr seltsam klingen mussten: "Springer f3-g5!" - "Oh, den habe ich gar nicht gesehen, da muss ich jetzt wohl König g8-h8 spielen" - "Hast Du denn überhaupt schon rochiert?"

Unser beider erstes Blindsimultan zog sich sogar so lange hin, dass wir am Ende des Tages unterbrechen mussten, weil das Café schloss und die letzte Bahn wegzufahren drohte. Also vereinbarten wir einen "Ehrencodex", demzufolge keiner die noch laufenden Partie zu Hause analysieren durfte und kehrten am nächsten Morgen wieder zurück, um den Wettkampf fertig zu spielen. So weit ich mich erinnere, gewann ich am Ende mit 6,5:3,5, aber das war eher Nebensache. Viel wichtiger war, dass es uns tatsächlich gelungen war, alle 10 Partien bis zum Ende im Kopf zu behalten. Dieser Wettkampf schließlich war die Geburtsstunde meiner Leidenschaft für das Blindsimultanspiel, das ich fortan aber nicht mehr im "virtuellen Raum" in Cafés spielte, sondern in Vereinen gegen reale Gegner. Darüber dürfte der Wirt des Stuttgarter Lokals sehr glücklich gewesen sein.