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04/11/2013, 11:32
neuer-weltrekord-im-aeltesten-schachklub-der-weltAm Sonntag, den 03.11.2013 war ich auf Einladung der Schachgesellschaft Zürich, dem mit Abstand ältesten Schachklub der Welt, als Blindsimultanspieler zu...
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01/11/2013, 11:09
Live-Übertragung direkt aus dem Zunfthaus zur Saffran in Zürich. Beginn: 3.11.2013, 14 Uhr
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01/11/2013, 11:07
Zunächst einmal wünsche ich Euch allen einen guten Morgen. Jaja, ich weiß schon, es ist bereits halb 11 und somit streng genommen höchstens noch ein...
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Gedächtnis

Ich werde natürlich oft gefragt, wie es möglich ist, sich eine so große Anzahl gleichzeitig laufender Schachpartien zu merken. So oft, dass ich mir eigentlich schon längst eine besonders schlaue Antwort darauf hätte bereitlegen können. Das Problem ist nur: Ich habe keine, denn ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie mein Gehirn was macht und ich bestreite jegliche aktive Mittäterschaft beim Speicherprozess. Es vielmehr so, dass ich mir oft nur wie ein Beobachter vorkomme, besonders bei zunehmender Anzahl von Gegnern.

Am Anfang war der Nebel
Die Anfangsphase einer Blindsimultanvorstellung ist die mit Abstand schwierigste und wenn es dem Einzelspieler gelingt, sie schadlos zu überstehen, hat er schon mehr als die halbe Miete eingefahren (sagt man das so? Klingt irgendwie bescheuert - wer fährt schon Mieten ein? Eher vielleicht Ernten, aber...naja, lassen wir das). Die Problemstellung ist klar: Am Anfang haben alle Bretter dieselbe Grundstellung und selbst wenn man sehr variabel steht, wird es einem bei einem 20+ Simultan kaum gelingen, nach sagen wir: 5 Zügen lauter grundverschiedene Positionen zu erreichen. Viele Partien verlaufen gleich oder, was fast noch schlimmer ist, ähnlich. Eine spanische Eröffnung mit dem Zug a7-a6, eine, in der der Gegner auf den vermeintlich unscheinbaren Randbauernzug verzichtet. Ein Damengambit, in dem Schwarz den Springer nach d7 und den Bauern nach c6 stellt, während ein anderer Gegner auf den Bauernzug verzichtet und statt dessen den Springer auf dessen Feld postiert. Kleinigkeiten, mit denen man natürlich klar kommen muss, wenn man gegen viele Gegner blind spielen will. Aber in der Phase bis ca. Zug 10 sind die Bretter noch nicht "eingerastet", sind viele Positionen noch "vernebelt" und man muss die Partien oft nochmal ganz von Anfang im Kopf nachspielen, um den aktuellen Stand zu reproduzieren. Und genau dabei können Kleinigkeiten wie die Frage: "Hat er nun den Randbauern gezogen oder war das in der anderen Partie?" oder "Hat er schon rochiert oder sieht er nur so aus, als hätte er?" neben der während der ganzen Veranstaltung allgegenwärtigen Masterfrage "Und was zum Henker tue ich hier eigentlich?" bereits frühzeitig zu Verwirrungen und eventuell sogar Verluststellungen führen.

Parallelwelten
Die Macher von Filmen, in denen ein Supercomputer einen langen Zahlencode Ziffer für Ziffer knacken (meist den Schlüssel für das Kernwaffenarsenal der USA oder ein Fahrradschloss am Bahnhof) könnten ihre Inspiration aus der Eröffnungsphase einer Blindsimultanvorstellung gewonnen haben, denn dort läuft es, wenn auch etwas abstrakter, genauso ab. Nach und nach nimmt die Zahl der Positionen, die man fest abgespeichert hat, ohne jedes Mal den gesamten Partieverlauf ab Zug 1 nachvollziehen zu müssen, stetig zu. Gleichzeitig beginnt sich eine zweite "Ebene" aufzubauen, die bald für den Rest der Veranstaltung als "Parallelwelt" existieren wird. Eine Art "Nebenzimmer", in dem die Schachbretter stehen, auf denen die Partien gespielt werden.Zwischen diesem "Zimmer" und der "Realität" kann ich, sobald alle Bretter dort stehen (also letztlich gespeichert sind), im Idealfall jederzeit während der Blindsimultanvorstellung hin- und herwechseln, ohne dabei die Konzentration zu verlieren. Das hat den Vorteil, dass ich einigermaßen unempfindlich gegen Lärm und sonstige Störungen bin - meistens werden diese aber ohnehin von mir selbst verursacht, weil ich auch während etwas so vermeintlich Seriösem wie einem Blindsimultan mein albernes Mundwerk nicht halten kann :-).
Es macht mir nichts aus, während einer Vorstellung von einem Gegner oder aus dem Publikum heraus angesprochen zu werden - im Gegenteil, ich nehme immer wieder gerne solche Auszeiten; in diesem Fall verlasse ich eben kurz das "Spielzimmer" und kehre anschließend wieder dorthin zurück. Die Bretter laufen schon nicht weg.
Der Vorteil dieser Art des Handlings ist offensichtlich; man spart eine Menge Energie und Konzentration, was immer wichtiger wird, je länger das Simultan dauert. Darüber hinaus werde ich nach Beendigung des Blindsimultans auch nicht von den "Geistern der Partien" verfolgt, wie viele andere Blindsimulanten berichtet haben. So soll Najdorf nach seinem Weltrekord 1947 drei Tage lang keinen Schlaf gefunden und Wochen gebraucht haben, um die Partien aus seinem Kopf zu bekommen. Die Tiefe seiner Konzentration während des Rekords muss phänomenal gewesen sein und das merkt man auch an den hervorragenden Partien, die er dabei gespielt hat.
Doch das "Zwei-Zimmer-Modell" hat auch einen Nachteil - da man nicht permanent konzentiert oder besser: fokussiert ist, ist der Zugang zu den Partien oft oberflächlich und meine Spielweise ähnelt eher einer Art "Ball-im-Spiel-halten" als einer durchdachten Partieanlage.